Europameister sind sie schon, jetzt sollen Deutschlands Nationalspieler
auch Weltmeister werden. Und für sie gilt, wie überall im Spitzensport
auf der Welt: Wer Top-Leistungen bringt, der erhält auch Höchstgagen.
Absolut Top: Oliver Bierhoff.
Selbst Fußballgegner haben momentan keine Chance, sich den Botschaften
der Nationalspieler zu entziehen. Thomas Häßler preist Thomson-Fernseher
an, Oliver Bierhoff rät zum Haarshampoo L'Oréal, und Thomas
Helmer schreibt im Auftrag der Lotterie SKL Briefe: "Lieber Herr
P..."
Der Rubel rollt - weil die Werbeindustrie speziell im WM-Jahr auf die
Nationalspieler setzt. Die großen Vereine sind ebenfalls bereit,
viel Geld auszugeben, um sich mit diesen Stars zu schmücken. Nicht
nur in der Bundesliga, auch in Italien (Bierhoff) und Frankreich (Köpke).
Es ist das alte Lied von Angebot und Nachfrage - und deutsche Nationalspieler
haben einen guten Ruf.
Das alles hat natürlich seinen Preis. Inzwischen gibt es keinen
Nationalspieler, der unter zwei Millionen Mark pro Jahr nach Hause geht.
Ist diese Entwicklung gefährlich? Ottmar Hitzfeld, der neue Bayern-Trainer,
bestreitet das: "Die Stars sollen sehr viel Geld verdienen, denn
sie sind diejenigen, die das Publikum sehen will und die für die
Vermarktung eines Vereins die entscheidende Rolle spielen. Das größere
Problem ist, daß die Durch-schnittsspieler zuviel verdienen. Aber
die Stars sind ihr Geld wert. Sie spielen das Geld ein.
Die Rechnung ist einfach: Haben wir keine Stars, spielen wir nicht so
guten Fußball und setzen weniger Geld um." Topverdiener der
Nationalelf ist Oliver Bierhoff. Jahrelang kämpfte er vergeblich
um Anerkennung. Heute steht er auf der Sonnenseite. Sein neuer Vertrag
beim AC Mailand bringt ihm sechs Millionen brutto pro Jahr, seine Werbeverträge
noch einmal die gleiche Summe.
Auf dem letzten Platz der Gehaltsliste liegt Olaf Marschall vom Meister
Kaiserslautern. Die Parallele zu Bierhoff: Auch er brauchte Jahre, um
sich richtig durchzusetzen, da ihn Verletzungen immer wieder zurückwarfen.
Mit 31 Jahren unterschrieb er im Winter seinen ersten Millionen-Vertrag.
Das höchste Vereinsgehalt erhält ab sofort Christian Wörns.
Paris St.-Germain zahlt ihm acht Millionen Mark pro Jahr. Er kommt ablösefrei
aus Leverkusen. Seit zwei Jahren spielt er überragend. Die Franzosen
beobachteten ihn zehnmal, bevor sie entschieden: "Der ist jeden Pfennig
seines Gehalts wert." Leverkusens Manager Reiner Calmund: "Er
ist Deutsch-lands bester Manndecker und hat für diesen Vertrag richtig
hart gearbeitet. Ich gönne es ihm."
So unterschiedlich die Einkommen sind - beim DFB sind alle Nationalspieler
gleich. Von den Werbegeldern, die der DFB dieses Jahr einnimmt, erhält
jeder WM-Teilnehmer 300000 Mark. Umgekehrt profitiert auch der Verband
an den Einnahmen der Nationalspieler. Torschützenkönig Ulf Kirsten
z.B. schloß einen Privatvertrag mit Panasonic ab. Weil er bei dem
Fernsehspot das Nationaltrikot trägt, muß er 20 Prozent an
den DFB abtreten.
Weitere "Nebengeräusche" für die Stars: Bayern stellt
beispielsweise Autos des Sponsors Opel kostenlos zur Verfügung. Und
in Dortmund sind nach den Erfolgen der vergangenen Jahre die Preise für
Autogrammstunden von 8000 auf 12000 Mark gestiegen.
PS: Beim Titelgewinn bekommt jeder Spieler vom DFB zusätzlich 150000
Mark Prämie. Das Geld muß dann zum Gehalt hinzugerechnet werden. |