Es gibt eine immer wieder gern erzählte Legende um Gerhard Schröder:
Vor Jahren soll der junge SPD-Bundestagsabgeordnete im Scherz am Zaun des
Bundeskanzleramts gerüttelt und dabei gerufen haben: "Ich will
da rein." Auch falls das lediglich eine nette Erfindung sein sollte,
daß Schröders Weg auch nur in die Nähe politischer Schaltzentralen
führen würde, war dem heutigen sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten
beileibe nicht in die Wiege gelegt.
Der 1944 als Sohn eines Hilfsarbeiters geborene Schröder wuchs mit
fünf Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen auf. Eine höhere
Schulbildung war ihm zunächst nicht möglich. Auf dem zweiten
Bildungsweg erwarb er zunächst die Mittlere Reife und schließlich
das Abitur, das ihm die Aufnahme eines Jurastudiums erlaubte. Als er Mitte
der 70er Jahre die Zulassung als Rechtsanwalt erhielt, war er auf der
politischen Bühne längst kein unbeschriebenes Blatt mehr.
Denn da hatte er sich - 1963 in die SPD eingetreten - längst bei
den Jusos, der Jugendorganisation der Partei, engagiert. Nach verschiedenen
Funktionen auf regionaler Ebene wurde er 1978 Bundesvorsitzender der von
ideologischen Auseinandersetzungen geprägten Organisation.
1980, Schröder hatte die Altersgrenze der Jusos erreicht, verließ
er die Jugendorganisation, wurde jedoch noch im gleichen Jahr Bundestagsabgeordneter.
Das blieb er sechs Jahre, während der er im Bundesland Niedersachsen
in eine herausgehobene Position seiner Partei rückte. Als Spitzenkandidat
führte er 1986 seine Partei in den Landtagswahlkampf - und unterlag.
Doch 1990 gelang ihm der Sprung in den Sessel des Ministerpräsidenten.
Allerdings hatte Schröder auch in diesen Jahren keineswegs Abschied
von bundespolitischen Ambitionen genommen, wobei der längst als "rechter
Sozialdemokrat" geltende Schröder zwar innerhalb der SPD deutlich
weniger beliebt ist als etwa Parteichef Oskar Lafontaine, in der breiten
Öffentlichkeit jedoch stets erkennbar besser abschnitt. Die letzte
Entscheidung fiel dann bei der niedersächsischen Landtagswahl Anfang
März. Die von Schröder in die Wahl geführte SPD verbesserte
sich deutlich auf rund 48 Prozent und verteidigte so die absolute Mehrheit
der Sitze. Und noch am Wahlabend erklärte Lafontaine die Kandidatenfrage
zugunsten Gerhard Schröders für gelöst.
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